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Magazin Design

Der Marsch

  • Date: Juli 3, 2016

  • Skills: InDesign, Lightroom & Photoshop

  • Client: ecosign Akademie für Gestaltung

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01. Einführung

Am Kölnberg

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist Deutschland von Ein- und Auswanderungswellen geprägt. Es gilt eine Verbindung mit den Menschen zu schaffen, die dauerhaft in Deutschland bleiben werden.

Der Hochhauskomplex „Am Kölnberg“ in Köln-Meschenich fungiert seit seiner Errichtung als eine Art „Seismograf“ für Krisen in der Welt. Jeder Konflikt, jede Migrationsbewegung hat die Zusammensetzung der Bewohner beeinflusst. Aktuell beheimatet der Komplex über 4000 Menschen aus 60 Nationen, 87,4 % von ihnen weisen einen Migrationshintergrund auf. Diese geballte kulturelle Vielfalt an einem so zentralen Ort bringt viele Probleme mit sich, so wurde „Meschenich und Rondorf“ als Sozialraum mit Handlungsbedarf der Stadt Köln definiert.

02. Konzept

Sozialer und kultureller Austauschort

 Im Rahmen der Diplomarbeit wurde ein inklusives Projekt am Kölnberg geführt, welches einen sozialen und kulturellen Austauschort mittels gemeinsamen Kochens und Essens erschuf. Dieser hat verschiedene Kulturen zusammengebracht und miteinander verbunden. Darüber hinaus ist dieser Prozess anhand eines analogen Kommunikationsmittels festgehalten worden, das die Botschaft „Migration ist eine Bereicherung für die (dortige) Gesellschaft“ nach außen trägt. Es dient als Einladung zu einem Perspektivwechsel und gibt den Anstoß an die Gesellschaft, an jeden einzelnen Betrachter, aktiv am sozialen Zusammenleben teilzunehmen und dieses mit- und umgestalten zu wollen!

Phase 1 – Interviews

Bei der Umsetzung unterschieden sich die Phasen nicht nur inhaltlich im Ablauf, sondern auch in der Zielsetzung. D. h., bei jeder Phase wurde ein anderer Schwerpunkt bearbeitet, dessen Ergebnisse aufeinander aufbauten um das Hauptziel zu erreichen. „Die Bildung eines sozialen und kulturellen Austauschortes mittels dem, verschiedene Kulturen miteinander verbunden werden sollen – für ein besseres WIR.“

Interviews
Der erste Besuch bei den Stadtteilmüttern diente der Projektpräsentation und dem Kennenlernen. Bei der 1.Phase der Umsetzung wurde das anfängliche „Beschnuppern“ anhand von Interviews vertieft. Hierzu wurden Fragebögen erarbeitet, die allerdings nicht nach wissenschaftlich repräsentativen Überlegungen konzipiert wurden und auf das Erzeugen möglicher Antworten abzielten, sondern auf die Herstellung einer persönlichen Beziehung.
Sie fungierten als eine Art Leitfaden/ Orientierung aus dem sich ein „freies“, offenes Gespräch entwickelte. So wurde die Möglichkeit geschaffen, individuell auf jede Frau einzugehen und sie besser kennenzulernen. Es wurden über verschiedene Themen, beispielsweise ihre Flucht, Beweggründe dieser, ihre Geschichten, Familien, Freunde, Sorgen und Wünsche gesprochen. Je nach Verlauf und Nähe die erzeugt wurde, entwickelte sich die anfängliche „Interviewsituation“ zu einem Gespräch zwischen Bekannten und Vertrauten, die über ihr Leben erzählen und einander Einblicke in dieses gewähren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die 1. Phase primär der Vertrauensbildung einer zwischenmenschlichen Beziehung diente, auf deren Grundlage die 2. Phase „Das Kochen in Kleingruppen“ stattfand.
Die Gespräche wurden mittels eines Rekorders aufgezeichnet und paraphrasiert. Die daraus entstandenen Texte sind auf den jeweiligen Portraitseiten der Mütter innerhalb des Kochbuchs wiederzufinden.

Phase II – Kochen in Kleingruppen

Auf den erzeugten zwischenmenschlichen Beziehungen der 1. Phase basiert die 2. Phase.

Gekocht wurde in Kleingruppen, zwei bis drei Müttern, die unterschiedliche Migrationshintergründe besitzen und mir, einer Einheimischen, die in Deutschland aufgewachsen und der deutschen Kultur angehörig ist.
Ich führte durch den Kochprozess, wobei die Mütter freie Wahl über die zu kochenden Gerichte hatten. Die einzige geforderte Rahmenbedingung war, dass sie sich auf jene Rezepte beschränken, die für sie „Heimat – Zuhause“ bedeuten. Die kulinarischen Begegnungen variierten je nach Zubereitungszeit, wobei der weitere Verlauf immer der Gleiche war. Wir trafen uns jeden Montag und Freitag zwischen 9 und 14 Uhr im Jugendheim in Meschenich. Die Mütter stellten ihre aus- gewählten Gerichte vor und es folgte ein gemeinsamer Einkauf. Durch diesen wurde ein weiterer Einblick in das alltägliche Leben der Frauen gegeben – wo sie einkaufen gehen und welche Speisevorschriften sie aufgrund ihrer Religionen zu beachten haben.

Anschließend wurde in der Küche des Jugendheims gemeinsam gekocht. D. h., dass nicht jede Mutter für „ihr Gericht“ alleine verantwortlich war, sondern dass zusammen, je nach Zubereitungsart, Gemüse gewürfelt, Eigelb schaumig geschlagen oder Fleisch angebraten wurde. Während des Kochens wurden einander Kniffe und Tricks aber auch besondere Zubereitungstechniken, die das Arbeiten in der Küche bereichern, gezeigt und es herrschte ein reger Kommunikationsaustausch. Es kristallisierten sich sowohl kulturelle Gemeinsamkeiten, als auch Unterschiede heraus, die unser gegenseitiges Interesse schürten und uns miteinander verbanden.
Anschließend aßen wir zusammen. An den Mahlzeiten nahmen neben den Akteuren selbst auch Familienmitglieder, andere Mütter des Projektes und Mitarbeiter derCaritas teil. Durch den Akt des gemeinsamen Kochens und Essens wurde ein Kommunikationsraum erschaffen. Dieser ermöglichte den Teilnehmern über ihre Gedanken, Gefühle, Ängste und Wünsche zu sprechen. Darüber hinaus wurden beim Austausch Unsicherheiten abgebaut und den Teilnehmern mehr Selbstvertrauen im Umgang mit anderen Kulturen gegeben. Infolgedessen wurde Vertrauen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt und eine Tischgemeinschaft geschaffen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Tischgemeinschaft ein Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt entwickelte und die anderen Kulturen als Bereicherung empfand. Die fertigen Gerichte wurden fotografiert und finden auf den jeweiligen Rezeptseiten der Mütter im Kochbuch Verwendung.

Phase III – Gemeinsames Fest

Phase 3 diente einerseits zur Stabilisierung der Tischgemeinschaften aus Phase 2 und andererseits zur Sensibilisierung „neuer Akteure“.
Dazu wurde von mir, mit Unterstützung eines Caritas Mitarbeiters, ein Fest organisiert. Das Fest fand unter dem Leitsatz „Kochen als sozialer und kultureller Austauschort – Gemeinschaftliches Essen und Trinken verbindet“ statt und es waren die Mütter aus dem Kochprojekt, ihre Kinder und weitere Familienangehörige sowie Nachbarn und Mitarbeiter der Caritas eingeladen. Jeder Teilnehmer sollte eine, für seine Heimat landestypische Speise mitbringen. D. h., zusammen wurde ein großes Buffet ausgerichtet, das stellvertretend für die kulturelle Vielfalt der Bewohner des Kölnbergs stand.
Die Gerichte wurden zuzüglich der landestypischen Dekoration mit Kärtchen, die bei der Orientierung halfen versehen. Neben dem Namen und dem Land aus dem sie stammen, fanden sich weiter Unterpunkte auf diesen, z. B. vegetarisch oder fleischhaltig und falls Fleisch verarbeitet wurde, Sorte und Schlachtungsweise. Diese Maßnahmen dienten vor allem der Einhaltung religiöser Essensvorgaben aber auch jenen aus Überzeugung und anderen Gründen.
Es wurde zusammen an einem großen Tisch gegessen, erzählt und wiederholt neue Bekanntschaften geknüpft.

Resümierend wurden die bereits bestehenden Beziehungen (Freundschaften) zwischen den Frauen weiter gestärkt. Die Frauen wurden zudem motiviert weiter aufeinander zuzugehen um andere Kulturen als Bereicherung zusehen. Darüber hinaus wurden „neue Akteure“, die teilweise nicht direkt am Kölnberg wohnen in die „gebildeten“ Tischgemeinschaften (aus Phase 2) aufgenommen. Durch diesen Prozess fand sowohl eine Sensibilisierung der neuen Mitglieder, welche Kulturen am Projekt teilnehmen und durch welche kulturellen Ressourcen sie das Fest/ die Gesellschaft bereichern, als auch eine Aufwertung der gesamten Tischgemeinschaft statt.

Das Fest und wurde fotografisch dokumentiert und dient weiteren Bildwelten des Kochbuchs.

Magazin

03. Ausblick

Pilotprojekt

Im Rahmen der Arbeit sind noch weitere Bücher angedacht, d. h. dieses Buch stellt ein Element einer Reihe dar. Darüber hianus können noch andere Kommunikationsmittel zu den jeweiligen Büchern gestaltet werden, wie z.B. eine Landingpage (vorgestellt der Caritas Homepage).
Es kann als Pilotprojekt für andere definierte Sozialräume der Stadt Köln dienen, das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.